Selbstverständnis der AG „Feministische Kämpfe“

Wer wir sind

Wir sind ein Praxisfeld von der Interventionistischen Linken Bremen (Avanti). Wir haben uns organisiert, um unsere Gesellschaft zu verändern. Wir wollen Macht- und Herrschaftsverhältnisse verschieben, den Kapitalismus abschaffen und patriarchale sowie sexistische und heteronormative Strukturen überwinden. Das ist gar nicht so einfach: Auf der einen Seite führen wir konkrete, realpolitische und meistens reformorientierte Kämpfe, um die Lebensbedingungen im Hier und Jetzt zu verbessern. Auf der anderen Seite sind wir darauf bedacht,  – wenn auch nur in kleinen Schritten – auf einen revolutionären Bruch hinzuarbeiten.


Theoretischer Hintergrund

Unser Verständnis von Feminismus ist queerfeministisch und antikapitalistisch:


Unsere Gesellschaft ist kapitalistisch organisiert. Es ist nicht wichtig, welche Bedürfnisse wir haben, sondern vielmehr, wie am besten Kapital vermehrt werden kann. Das hat Auswirkungen auf alle Bereiche unseres Lebens.


Gleichzeitig ist unsere Gesellschaft durchzogen von Herrschaftsverhältnissen, die teilweise im Zusammenhang mit der Art und Weise stehen, wie die Wirtschaft im Kapitalismus funktioniert, teilweise jedoch auch eigene Dynamiken haben. Konkret heißt das: Wir gehen nicht davon aus, dass die Abschaffung des Kapitalismus auch den Sexismus, Rassismus, Klassismus etc. abschaffen wird.


Wir sehen unsere Analyse im Kontext queer-feministischer und antipatriarchaler Theoriebildung. Was heißt das?


Queer-Feministisch ist unsere Analyse, weil wir die derzeitige Gesellschaft als heteronormativ verstehen. Das heißt, dass unsere Gesellschaftsstruktur danach ausgerichtet ist, dass angeblich exakt zwei Geschlechter existieren, nämlich „Mann“ und „Frau“. Für uns heißt das, dass wir uns z.B. bei jeder Umkleidekabine oder Toilette einem Geschlecht zuordnen müssen, dass es deutlich zugeordnete „Mädchen-“ und „Jungen-“ Kleidung gibt, dass wir in jedem Formular „Mann“ oder „Frau“ ankreuzen müssen und Vieles mehr.  Heteronormativ heißt auch, dass „Männern“ und „Frauen“ sich nur gegenseitig sexuell anziehend finden sollen. Lesben, Schwule, Inter- und Transmenschen werden als die Abweichung, das Andere und eben nicht das Normale wahrgenommen, was sich in den vielfältigen Feindlichkeiten ihnen gegenüber zeigt, z.B. Pöbeleien, gewalttätige Übergriffe und Adoptionsverbot.

Gleichzeitig bedienen wir uns weiterhin des Begriffes Patriarchat, weil dieser Begriff verdeutlicht, dass Geschlechterverhältnisse nicht gleich aufgebaut sind, sondern es eine historisch gewachsene Hierarchie zwischen ihnen gibt, die grundsätzlich ein Vorteil für „Männer“ zu Folge hat. Auch wenn sich in den letzten Jahrzehnten unsere Vorstellungen von Normen und Werten gewandelt haben, so ist unsere Gesellschaft immer noch heteronormativ, sexistisch und patriarchal geprägt. Uns ist bewusst, dass wir uns in einem Widerspruch bewegen, wenn wir einerseits die gesellschaftliche Zweigeschlechtlichkeit kritisieren und dekonstruieren bzw. überwinden wollen, andererseits die Kategorien „Mann“ und „Frau“ aber nutzen und somit auch immer wieder neu herstellen, um die existierenden Ungleichheiten zu beschreiben. Damit entsteht ein Spannungsfeld, das unsere Politik stets begleitet und immer wieder Diskussionen und Reflexion erfordert.


Ziel unserer Arbeit ist es queer-feministische und andere soziale Kämpfe zu verbinden, um ein Leben für alle zu ermöglichen, das frei von herrschaftlichen Zwängen ist, und in dem wir alle entsprechend unserer Bedürfnisse leben können.


Wir begreifen uns als undogmatisch, soll heißen: Wir gehen nicht davon aus, dass wir die Weisheit mit Löffeln gefressen haben. Wir wissen das unsere Perspektive eingeschränkt ist, da wir aus einer privilegierten, überwiegend akademisch und weißen Position sprechen. Wir reflektieren unsere Theorie und Praxis und freuen uns über Anregungen und Austausch mit anderen Gruppen und Menschen.


Arbeitsstruktur

Der Schwerpunkt unserer Arbeit zielt auf eine politische Praxis, die nach Außen wirkt. Wir wollen uns mit möglichst vielen Menschen über unsere Vorstellungen auseinandersetzen, das Denken und die Machtverhältnisse in unserer Gesellschaft  verändern und uns nicht in szeneinternen Abgrenzungsbedürfnissen aufreiben. Dafür gehen wir auf die Straße, vernetzen uns in Bündnissen, schreiben Flugblätter und geben Workshops. Wir wollen explizit kein Theoriekreis oder Lesezirkel sein. Trotzdem halten wir es für wichtig unsere praktische Arbeit kritisch zu betrachten und theoretisch zu unterfüttern bzw. uns eine begründete Meinung zu bilden, bevor wir loslegen.  


In unserer Arbeitsstruktur ist es uns wichtig Schwerpunkte zu setzen. Das kann so aussehen, dass ein Hauptthema die Arbeit der AG bestimmt, wir aber trotzdem auf aktuelle Ereignisse eingehen können.


Es soll klare Strukturen bei Treffen geben: regelmäßig Protokolle, eine Moderation und einen Zeitrahmen. Die Arbeit soll auch in Abwesenheit transparent sein und dadurch die Partizipationschancen für alle erhöhen. Anfangs- und Endrunden sollen es erleichtern persönliche Bedürfnisse aller wahrzunehmen und solidarisches Handeln auch über AG Zusammenhänge hinaus zu organisieren. Wir begreifen uns dabei aber nicht als Freund_innenkreis. Uns ist es vielmehr wichtig solidarisch zusammen politisch aktiv zu sein.


Wir fordern die Bereitschaft zu Konflikten und eine Diskussionskultur, die Differenzen aushält, sowie die Bereitschaft Kompromisse einzugehen. Grundlage dafür ist der hier formulierte Grundkonsens darüber, wie und wozu wir Politik machen wollen, um politisch handlungsfähig zu bleiben. Uns ist wichtig, dass unsere Diskussionen so geführt werden, dass alle sich einbringen können. Dazu beschäftigen wir uns auch damit, wer wie viel redet, welche Aufgaben übernimmt usw. und versuchen hier für möglichst ausgeglichene Verhältnisse zu sorgen.


Wir sehen es nicht allein als Aufgabe der „Frauen“ an, sexistische Strukturen zu  bekämpfen. Deswegen wollen wir alle zusammen arbeiten: „Frauen“, „Männern“, Inter- und Transsexuelle, Schwule und Lesben...


Lokale Praxis und bundesweite Organisierung

Als Teil der Interventionistischen Linken sind wir in der IL Queer-Feminismus-AG. Dort beteiligen wir uns -je nach Ressourcen- an aktuellen Projekte, Treffen und Kampagnen z.B. an der Care Revolution Aktions-Konferenz. Gleichzeitig haben wir das Ziel, vor Ort feministische Politik zu machen und hier in Bündnissen zu agieren.


Mehr werden

Wir wollen mehr werden. Wir sind offen für alle Personen, die unser Verständnis von Gesellschaft teilen, unserer Arbeitsweise etwas abgewinnen können und mit uns diskutieren wollen! Meldet euch!

Kontakt:

bremen@avanti-projekt.de