Infoveranstaltung mit Michael Weiss, Antifaschistisches Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin

Nazis, Rocker - Männerbünde

15.11.2011 19:30
Räucherei, Preetzer Straße 35, 24134 Kiel

In den 70er Jahren machten Rockergruppen von sich reden, die sich selbst als Nazis verstanden und teilweise organisierte Neonazis tatkräftig unterstützten. Mit dem Aufkommen der Skinheadbewegung war für solche Gruppen immer weniger Raum. Statt dessen entwickelte sich mehr und mehr ein Netzwerk von bundesweit, ja weltweit agierenden Rockergruppen, denen ihre eigenen Geschäfte wichtiger sind als die Verbreitung von Nazipropaganda.

Seit einigen Jahren kommt es allerdings vermehrt zu einer Vermischung von Nazi-und Rockerszene. Rockergruppen veranstalten in ihren Clubheimen Konzerte mit bekannten Nazibands, werben ganze Kameradschaften als Unterstützergruppen an. Führende Nazikader

machen Karriere in Rockerclubs.

 

 

Als sich in Schleswig-Holstein der ehemalige Landesvorsitzende der NPD Peter Borchert mit

einer ganzen Crew von Kameraden an der Gründung der Bandidos Neumünster beteiligte, löste dies erhebliche Auseinandersetzungen mit den Hells Angels aus. Die Nazis um Borchert wurden allerdings nicht nur Mitglieder im neugegründeten Club, sie übernahmen ihn quasi. Eine Distanzierung von ihren Naziaktivitäten erfolgte allerdings nicht. Zwar organisierten die

beteiligten Nazis seit dem keine eigenständigen Aktivitäten für die NPD oder die freien

Nationalisten, sie bleiben aber weiter Teil der Schleswig-Holsteiner Naziszene. So ist der Club

88 in Neumünster inzwischen zum Treffpunkt der Nazi- und Bandidos-Szene geworden.

Dies ist nicht nur deshalb möglich, weil Rockergruppen traditionell rassistischen Weltbildern

folgen und – ähnlich wie die Naziszene – ein maÅNnnerbündisches Selbstverständnis haben.

Vielmehr sind in vielen Regionen Nazigruppen so stark geworden, dass sie sich zu einem festen Bestandteil der Türsteher und Rotlichtszene entwickeln konnten. Im Gegensatz zu den

begrenzten Perspektiven der Naziszene bietet dies erstmals eine längerfristige

Lebensperspektive.


Die Veranstaltung soll darlegen, wie inzwischen in großem Umfang Naziaktivisten von

Rockergruppen rekrutiert werden. Sie soll sich unter anderem mit der Frage beschäftigen, ob

der Wechsel zu Rockergruppen zwangsläufg ein Ende von organisierten Naziaktivitäten

bedeutet oder ob Rockergruppen sich regional zum festen Bestandteil der Nazistrukturen

entwickeln können.

Kein Zutritt für Mitglieder und Sympathisanten nazistischer Gruppen und Organisationen. Wir können zu dieser Veranstaltung keine Besucher mit Abzeichen von Rockergruppen zulassen.