3/4 fürs Viertel
Walzerparade gegen steigende Mieten und Gentrification, Für den Erhalt des Centro Sociale.
Do. 10. September 2009, 18h ab Centro Sociale, Sternstrasse 2
Mit dieser Parade bringen wir unseren Widerstand gegen die überhöhten Mieten im Viertel und der ganzen Stadt zum Ausdruck - Die Stadt gehört allen! Zugleich demonstrieren wir für den Erhalt des selbstorganisierten und unkommerziellen Nachbarschaftstreff "Centro Sociale" in der Sternstrasse 2 und gegen die fortschreitende Privatisierung öffentlicher Räume.
Wo wohnen Sie?
Alle Menschen müssen wohnen, aber für viele wird es immer schwieriger bezahlbaren Wohnraum zu finden. Insbesondere in den innenstadtnahen Stadtteilen werden die Mieten immer teurer. Pech gehabt, musst du halt in die bezahlbaren Wohnungen am Stadtrand ziehen - so denken viele. Aber wir wollen in der Stadt wohnen und leben. Da der Wohnungsmarkt sich momentan tatsächlich vollkommen Marktförmig "selbst reguliert", ist es kein Wunder, das bei dem bestehenden Wohnungsmangel teilweise wahnwitzig erscheinende Mieten verlangt werden. Mittlerweile gibt es kaum noch Gegenden, bei denen bei Neuvermietungen weniger als 10,- Euro/Quadratmeter Kaltmiete verlangt werden. Das hängt auch damit zusammen, dass in Hamburg kaum noch neue Sozialwohnungen gebaut werden. Wir fordern die Einführung einer Mietobergrenze von 4,- Euro pro Quadratmeter! Wir fordern eine neue soziale Wohnungsbaupolitik!
Und sonst?
Da nicht nur ein Dach über dem Kopf zu einem schönen Leben dazu gehört, sondern auch die Möglichkeit sich mit anderen Menschen auszutauschen und gemeinsam Dinge zu erleben, sind öffentliche Räume wichtig. In letzter Zeit wird der Zugang zu solchen öffentlichen Räumen immer mehr dahingehend reguliert, dass nur noch Leute mit Geld Zugang haben. Öffentlicher Raum wird privatisiert und kommerziell vermarktet. Da Bürobauten sich besser vermarkten und steuerlich absetzen lassen, werden trotz Büroleerstands immer mehr Büros gebaut. Für manche bedeutet dieser Trend eine Aufwertung - für viele andere bedeutet er aber Ausschluss vom öffentlichen Leben. Hier kommt das genossenschaftlich organisierte Stadtteilzentrum Centro Sociale ins Spiel. Seit Mitte 2008 wächst dieser unkommerzielle Nachbarschaftstreff und Freiraum und ist mittlerweile schon zu einer festen Größe geworden. Im Centro treffen sich Menschen aus der Nachbarschaft und auch von weiter weg um gemeinsam Fahrräder zu reparieren, zu malen, zu palavern, Musik zu machen, Theater zu spielen oder einfach nur da zu sein. Auch als Ort subkultureller Betätigung und politischer Organisation ist das Centro unverzichtbar. Dabei soll niemand ausgeschlossen werden und alle Angebote sind grundsätzlich frei von Eintritt - wer kann, soll aber gerne eine kleine Spende entrichten. Das Centro Sociale ist derzeit akut bedroht, da der Mietvertrag zum Jahresende ausläuft und die Stadt die Räumlichkeiten mit Hilfe der Steg zu einem Wettbewerb ausgeschrieben hat. Neben dem Centro Sociale bewerben sich der Beschäftigungsträger Arinet und die Pferdestall Kultur GmbH (Betreiber mehrerer Clubs und Bars: Haus 73, Ponybar, Festplatz Nord usw.). Voraussichtlich am 11. September wird der Bezirk über die weitere Nutzung entscheiden - dann tagt die Jury das nächste mal. Doch nicht nur im Schanzenviertel werden öffentliche Räume privatisiert, aktuell gibt es Auseinandersetzungen an diversen Punkten (bspw. um das Bernhardt-Nocht-Quartier, das geplante IKEA in der Neuen Grossen Bergstrasse, das Gängeviertel, den Neuen Pferdemarkt, in Wilhelmsburg und bestimmt noch an einigen anderen Orten). Wir fordern den erhalt des Centro Sociale in der Sternstrasse 2! Wir fordern den Stopp der Privatisierungspolitik in der ganzen Stadt!
Die Aktionsform
"Das Revolutionäre des Walzers bestand in der ekstatischen Dynamik, welche alle Tänzer ohne Unterschied nach Rang und Stand im Sog der drehend wirbelnden Masse fortriß. Die Durchsetzung des Walzers als Modetanz an den Höfen Europas demonstrierte die zunehmend brüchiger werdende Machtposition traditioneller Herrschaftsschichten. Im Medium des Tanzes kündigte sich für das Bürgertum und den "vierten Stand" eine gesellschaftliche Entwicklung an, die politisch noch erkämpft werden mußte. Der Walzer wurde zum Inbegriff der Revolution und das Symbol des bürgerlichen Prinzips der 'égalité'."
http://www.aeiou.at/aeiou.history.gtour.walzer/revolut.htm
Wir haben uns für die Aktionsform der "Walzerparade" entschieden. Warum?
1. Passt das gut zum Motto "3/4 fürs Viertel" 2. Sind 'normale' Demonstrationen in Hamburg meistens dadurch gekennzeichnet, dass sie von einem martialischen Polizeiaufgebot umstellt werden und die Aussenwirkung gering bleibt. Hier sehen wir Verwirrungs- und Belebungspotential durch die neue Aktionsform der "Walzerparade" 3. Wollen wir mal was neues ausprobieren. 4. War Walzer zu seiner Zeit ein revolutionärer Tanz. Natürlich haben wir bestimmte Vorstellungen davon, was eine Walzerparade sein könnte. Aber wir freuen uns, wenn möglichst viele Menschen ihre eigenen Vorstellungen einbringen. In jedem Fall bitten wir darum, in "Abendgarderobe" zu erscheinen - was immer ihr euch darunter vorstellt. Außerdem solltet ihr alle ein orangenes oder ein blaues Accessoire dabei haben (das sind die Farben des Centro Sociale). Waltz on you crazy people!
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