UniHH: Wat nu?

 

Was ist bisher passiert?

Die Uni ist in Bewegung. Seit zwei Wochen ist das Audimax besetzt. Am Dienstag letzter Woche versammelten sich 2.000 Studierende in der Innenstadt zu einer Kundgebung gegen Lerndruck, Studiengebühren und für die Demokratisierung der Uni.
Letzten Donnerstag sollte ein neuer Uni-Präsident vom Akademischen Senat gewählt werden. Als einziger Kandidat wurde uns von der Findungskommission Dieter Lenzen präsentiert, derzeit Präsident der Freien Uni Berlin (FU) und nterstützer der neoliberalen „Initiative neue soziale Marktwirtschaft“. Unsere Berliner KommilitonInnen wären froh, wenn sie Lenzen los wären – derzeit läuft an der FU eine studentische Urabstimmung, um Lenzen zum Rücktritt zu bewegen.

Am Donnerstag zeigten über 1.500 Studierende hier in Hamburg, dass sie einen Präsidenten nicht dulden werden, der sich selbst als Manager und die Uni als ein Wirtschaftsunternehmen begreift. Trotzdem wurde ebendieser in einer heimlichen Nacht-und-Nebel-Aktion vom Hochschulrat gewählt und am Freitag vom Akademischen Senat bestätigt.

Worum geht es hier eigentlich?

Es gibt viele Gründe, warum Studierende ihre Zeit damit verbringen, Proteste zu organisieren, anstatt zu lernen oder sich vom Studienalltag auszuruhen: Bachelor-Studiengänge, die einem kaum noch Zeit und Räume zum selbstbestimmten Lernen lassen; Burn-Out als Folge von Lernstress, weil alle Noten in die Endnote mithineinzählen; Ein „Workload“, der nur in der Theorie funktioniert, aber in der Realität nicht einzuhalten ist;
Die Zurückdrängung von Lerninhalten, die nicht wirtschaftlich verwertbar sind; Kaum noch Mitbestimmungsmöglichkeiten für Studierende, weil schon seit einigen Jahren Entscheidungen nicht mehr von Gremien, in denen Studierende sitzen, getroffen werden, sondern von Dekanen, dem/der Unipräsidenten/in und dem (zur Hälfte mit WirtschaftvertreterInnen besetzten) Hochschulrat.
Dazu kommen Studiengebühren, die dazu beitragen, dass viele von uns neben einem anstrengenden Bachelor-Studium noch mehr arbeiten müssen. Wir, die wir hier an der Uni studieren, sind es, die die Verhältnisse verändern können!
Für uns:
• Damit wir den Druck aufbrechen, unter dem wir ständig stehen.
• Damit wir uns die Uni aneignen als einen Ort, an dem wir unseren Interessen nachgehen und nicht primär für unsere spätere Verwertbarkeit auf dem Arbeitsmarkt büffeln.
Und für alle die, die noch nicht hier studieren:

Für einen offenen Hochschulzugang für alle und Studienbedingungen, die einen motivieren.

Wie können wir was erreichen?

Wir können etwas bewegen. In Hessen haben tausende Studierende errreicht, dass die 2005 beschlossenen Studiengebühren zurückgenommen wurden. Die hunderttausenden SchülerInnen und Studierenden, die im letzten Sommer im Rahmen des Bildungsstreiks auf der Straße waren, haben bereits bewirkt, dass sich die Einsicht breit gemacht hat, dass die Bachelor-Studiengänge entschlackt werden müssen.
Aber machen wir uns nichts vor: Wenn es uns nicht gelingt, kontinuierlich Druck aufrechtzuerhalten, dann schaffen wir es zwar, ab und an mal in die Medien zu kommen,  um die umfassenden Umstrukturierungen an den Hochschulen in eine andere Richtung zu wenden, muss aber einiges mehr passieren:

AstA abwählen

Der derzeitige AstA wird gestellt von Jusos, Jungen Liberalen und anderen unsympathischen Gestalten. Wo ist das Problem? Dieser AStA bezieht niemals klare Position. Anstatt grundsätzliche Kritik zu formulieren und die Interessen der Studierenden zu vertreten, kuschelt er lieber mit der Uni-Leitung und der Wissenschaftsbehörde. Letzten
Donnerstag hat er sich aktiv Studierenden in den Weg gestellt, die versuchten, auf die Sitzung des Akademischen Senates zu gelangen, bei der der neue Unipräsident gewählt werden sollte. Später stimmte der ehemalige AStA-Vorsitzende Benjamin Gildemeister (Juso-HG) sogar für Dieter Lenzen als neuen Uni-Präsidenten. Wir brauchen endlich wieder einen AStA, der Proteste organisiert, anstatt die eigenen Politikerkarrieren vorzubereiten.
Lasst euch nicht länger verarschen: Wählt linke Listen, am besten Regenbogen/Alternative Linke. Mischt euch aktiv in den Wahlkampf ein – überzeugt eure KommilitonInnen, dass wir einen anderen AStA brauchen.

Basisarbeit

Anders als in den anonymen Magisterstudiengängen kennen wir in den Bachelor-Studiengängen unsere KommilitonInnen, weil wir sie täglich sehen. Das kann auch Vorteile haben.
Engagiert euch in Fachschaftsräten oder in unabhängigen Basisgruppen; Sammelt Informationen über den Mist, der in euren Instituten läuft und tragt diese Informationen an eure KommilitonInnen weiter. Ganz oft bilden sich bei Studierendenprotesten eigene Subkulturen raus, die viele Studierende ausschließen - seid offen für andere Ansichten,
versucht nicht nur, eure KommilitonInnen zu überzeugen, sondern hört euch auch mal an, was sie euch zu sagen haben, was ihre Probleme sind und was sie eventuell davon abhält, sich an der Uni zu engagieren.

Druck aufbauen

„Worte könnnen nichts bewegen, Worte tun niemandem weh“ (Die Ärzte).
Inhaltliche Auseinandersetzungen sind wichtig – aber nicht in jeder Situation das beste Mittel zum Zweck. Natürlich müssen wir Studierende uns über unsere Ziele verständigen. Es muss aber auch klar sein, dass wir unsere politischen Gegner – die im Hochschulrat, aber auch im Akademischen Senat sitzen – nicht mit Argumenten und „Aufklärung“ überzeugen können. Denn hier geht es um unterschiedliche Interessen. Auch wenn wir die besseren Argumente auf unserer Seite haben – durchsetzen können wir sie nur, wenn wir politischen Druck aufbauen.
Die Hessischen Studierenden haben uns gezeigt, wie erfolgreiche Proteste aussehen: Aktionen massenhaften zivilen Ungehorsams wie Blockaden von Bahngleisen und Autobahnen zeigen, dass wir nicht nur unzufrieden sind, sondern auch ungemütlich werden können. Wichtig ist aber auch: Proteste müssen vielfältig sein und unterschiedliche Aktionsformen müssen nebeneinander laufen.

Organisierung

Wenn wir wollen, dass an der Uni nicht nach der Pfeife der Wirtschaft getanzt wird, sondern die Interessen der Studierenden im Vordergrund stehen, dann müssen sich viele Studierende über kurzfristige Mobilisierungen hinaus organisieren. Nur in kontinuierlich arbeitenden Gruppen ist eine längerfristige strategische Orientierung möglich - Bleibt am Ball!

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