Narrative im Ukraine-Konflikt

Vom Maidan zum Donbass

21.11.2014 19:00
Paradox, Bernhardstraße 10-12

Unterschiedlichen (Verschwörungs-)Theorien zufolge sind
wahlweise der Westen, die EU, Putin, die NATO oder die USA
gerade eifrig dabei, einen Keil in die ukrainische Gesellschaft zu
treiben. Hier wird dann gern übersehen, dass die Bevölkerung sich
längst an der Frage gespalten hat, ob die Ukraine jetzt eigentlich
Opfer des Stalinismus oder Sieger über den deutschen Faschismus
ist beziehungsweise ob der „Unabhängigkeitskämpfer" Stepan
Bandera als Volksheld oder als Nazikollaborateur zu gelten hat.
Der eklatante Mangel an Informationen darüber, wer seit
Januar 2014 für verschiedene Kampfhandlungen inklusive
Todesschüsse verantwortlich ist, führt zu verschwurbelten
Verschwörungstheorien, bringt aber auch Menschen mit
ansonsten seriösen Forschungsansätzen zu kruden Ansichten
und absurden Aussagen. Die derzeitigen kriegerischen
Auseinandersetzungen im Osten der Ukraine werden von einem
Kampf um Meinungshoheit und Deutungshoheit flankiert. Und
Deutungshoheit heißt hier insbesondere zu definieren, wer der
Nazi ist. Dabei sind sich auch Nazis nicht einig, ob nur Nazis
auf dem Maidan waren oder ob die Protestierenden auf dem
Maidan nicht zu „gute Beziehungen zur amerikanisch-jüdischen
Gemeinschaft" pflegten.
Im Vortrag sollen die unterschiedlichen Narrative vorgestellt und
näher auf die Maidan-Proteste eingegangen werden. Dabei wird
sich wenig überraschend zeigen: Nur der Nazi ist der Nazi! Aber
wer sich nicht von Nazis distanziert, muss dafür kritisiert werden.

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Lara Schultz beschäftigt sich als Journalistin mit der extremen
Rechten, mit Rassismus, Antiziganismus und Antisemitismus in
Mittel- und Osteuropa. Texte und Recherchen von ihr erscheinen
z.B. in „Der Rechte Rand", der „Jungle World", auf „Blick nach
rechts" und „Publikative".

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Ein Kommentar der interventionistischen Linken findet sich hier: Kommentar der iL