Der Aufstand jüdischer Gefangener im NS-Vernichtungslager Sobibór

»Hunderte solcher Helden«

09.10.2014 19:00 - 22:00
Alte Meierei (Hornheimer Weg 2, Kiel)
In Sobibór, einem nationalsozialistischen Vernichtungslager im südöstlichen Polen, wurden zwischen Mai 1942 und Oktober 1943 mindestens 170.000 Juden ermordet. In der überwältigenden Mehrheit waren es Juden aus Polen, Holland, Belarus, Russland, der Ukraine und der Slowakei. Sobibór war ein reines Vernichtungslager, die Menschen wurden nach ihrer Ankunft direkt in die Gaskammer geführt. Lediglich 550-600 Juden wurden für Arbeiten im Lager und rund um den Vernichtungsvorgang selektiert.

Am 14. Oktober 1943 kam es zu einem geplanten Aufstand innerhalb des Vernichtungslagers, bei dem mit zwei Ausnahmen alle im Lager anwesenden SS-Offiziere getötet wurden und ca. 300 Häftlinge aus dem Lager fliehen konnten. Die meisten kamen im rund um das Lager angelegten Minengürtel ums Leben, wurden bei folgenden Razzien der Deutschen gefasst, von der einheimische Bevölkerung denunziert oder von polnischen oder ukrainischen nationalistischen Partisanen ermordet. Etwa 60 Aufständische erlebten jedoch das Ende des Kriegs. Der Aufstand der Juden in Sobibór ist eines der eindringlichsten Beispiele gegen die These, Juden hätten sich wie Lämmer zur Schlachtbank führen lassen.

Im Rahmen der Veranstaltung geht die Autorin Franziska Bruder den Fragen nach, wer die Akteure des Aufstands waren: Woher kamen sie? Verfügten sie über politische, organisatorische oder konspirative Erfahrungen? Welche Voraussetzungen mussten erfüllt sein, um die Zeit nach dem Aufstand bis zur Befreiung überleben zu können? Franziska Bruder wird dazu aus den Überlebendenberichten lesen und Ausschnitte aus dem filmischen Interview Claude Lanzmanns mit Jehuda Lerner zeigen, der sich als 17-jähriger aktiv am Aufstand beteiligte.