Blockupy Warm-Up

Ride Down Capitalism! - Antikapitalistische Fahrraddemo

16.05.2014 19:00
Neuer Pferdemarkt

Vom 15. – 25. Mai 2014 fin­den in vie­len Städ­ten Eu­ro­pas in­ter­na­tio­na­le Tage des Wi­der­stands gegen die Po­li­tik von EU und Troi­ka statt. Ge­mein­sam mit vie­len Bünd­nis­sen und Be­we­gun­gen ruft Block­u­py zu Pro­tes­ten und zi­vi­lem Un­ge­hor­sam gegen die Kri­sen­po­li­tik auf. In Ham­burg wer­den wir uns am Abend des 16. Mai – be­reits einen Tag vor der über­re­gio­na­len De­mons­tra­ti­on – mit einer an­ti­ka­pi­ta­lis­ti­schen Fahr­rad­tour den öf­fent­li­chen Raum neh­men, lo­ka­le Pro­fi­teu­re der Krise auf­su­chen und die Block­u­py-Ak­ti­ons­ta­ge ein­läu­ten.

Die Krise ist nicht so weit weg, wie man­che mei­nen. Auch hier wer­den Men­schen aus ihren Woh­nun­gen ver­trie­ben, weil sie sich die Mie­ten nicht mehr leis­ten kön­nen, wird me­di­zi­ni­sche Ver­sor­gung zu­neh­mend eine Frage des Ein­kom­mens, gel­ten Leis­tungs­druck und Kon­kur­renz als voll­kom­men nor­mal und wer­den Ge­flüch­te­te ver­folgt und ab­ge­scho­ben. Ham­burg ist zu­gleich Stand­ort zahl­rei­cher Kon­zer­ne und Un­ter­neh­men, hier wer­den po­li­ti­sche Ent­schei­dun­gen ge­trof­fen, die Aus­wir­kun­gen auf die ge­sam­te EU-Po­li­tik haben und hier wird eine re­pres­si­ve Stadt­po­li­tik er­probt, die zu­min­dest in der Bun­des­re­pu­blik ihres glei­chen sucht. Es wer­den Mil­li­ar­den er­wirt­schaf­tet und ver­braucht, Rüs­tungs­gü­ter auf den Markt ge­schmis­sen und von Rechts­po­pu­lis­ten gegen Kri­sen­ver­lie­rer ge­hetzt. Nir­gend­wo sonst pral­len die Wi­der­sprü­che des glo­ba­len Ka­pi­ta­lis­mus so offen auf­ein­an­der wie im städ­ti­schen Raum. Die Stadt ist damit auch der Ort, wo Kri­sen­ak­teu­re und -pro­fi­teu­re greif­bar sind und die Kri­tik an Spar­dik­ta­ten und Ver­ar­mungs­po­li­tik auf die Stra­ße ge­tra­gen wer­den kann.

Die ak­tu­el­le Kri­sen­po­li­tik be­treibt die Sa­nie­rung des Ka­pi­ta­lis­mus ein wei­te­res Mal auf Kos­ten der Lohn­ab­hän­gi­gen, Rent­ner_in­nen, Er­werbs­lo­sen und Ju­gend­li­chen – mit ver­hee­ren­den so­zia­len Fol­gen. Die Pri­va­ti­sie­rungs- und Kür­zungs­po­li­tik von Troi­ka und EU in Süd­eu­ro­pa, der Druck auf Löhne und So­zi­al­stan­dards, die Zu­nah­me von Stress, Ver­un­si­che­rung und Pre­ka­ri­sie­rung, Krie­ge nach innen und außen und das töd­li­che Mi­gra­ti­ons­re­gime der EU sind Er­geb­nis der be­ste­hen­den Ei­gen­tums- und Herr­schafts­ver­hält­nis­se. Kri­sen sind keine Feh­ler eines an­sons­ten ver­nünf­ti­gen Sys­tems, son­dern die not­wen­di­ge Folge der ka­pi­ta­lis­ti­schen Pro­duk­ti­ons­wei­se, die immer grund­ver­kehrt ist. Ka­pi­ta­lis­mus ba­siert auf der Aus­beu­tung von Ar­beits­kräf­ten und der pri­va­ten An­eig­nung der Pro­duk­te der Ar­beit. Er ent­eig­net per­ma­nent Men­schen ihrer ei­ge­nen Le­bens­grund­la­gen, durch­dringt sämt­li­che ge­sell­schaft­li­che Be­zie­hun­gen und un­ter­wirft alles einer scho­nungs­lo­sen Ver­wer­tungs­lo­gik. Dass es noch schlim­mer geht, wird im Zuge der Eu­ro­pa­wahl wie­der deut­lich wer­den, wenn fa­schis­ti­sche und rechts­po­pu­lis­ti­sche Par­tei­en wie die „AfD“ auf Stim­men­fang gehen. Mit ihren na­tio­na­lis­ti­schen Slo­gans bie­ten sie die re­ak­tio­närs­ten Kri­sen­in­ter­pre­ta­tio­nen, wel­che die Men­schen ver­schie­de­ner Län­der ge­gen­ein­an­der aus­zu­spie­len ver­su­chen. Die na­tio­na­lis­tisch, ras­sis­tisch oder an­ti­se­mi­tisch auf­ge­la­de­nen Kri­sen­dis­kur­se zei­gen, dass Kri­tik an EU und Troi­ka nicht immer fort­schritt­lich ist. Umso wich­ti­ger, hier zu in­ter­ve­nie­ren und die fal­sche Ka­pi­ta­lis­mus­kri­tik ent­schie­den zu­rück­zu­wei­sen.

Die Il­lu­si­on, dass der Ka­pi­ta­lis­mus heut­zu­ta­ge Fort­schritt und Wohl­stand für alle bringt, löst sich all­mäh­lich auf. Die Platz­be­set­zun­gen, Ge­ne­ral­streiks und Mas­sen­de­mons­tra­tio­nen, aber auch Ver­samm­lun­gen von An­woh­ner_in­nen, selbst­ver­wal­te­te Be­trie­be und an­de­re For­men der Ba­sis­or­ga­ni­sie­rung in vie­len Län­dern sind po­si­ti­ve Bei­spie­le. Auch in Ham­burg sind An­sät­ze zu sehen, wenn sich Men­schen kol­lek­tiv und ba­sis­de­mo­kra­tisch zu­sam­men­schlie­ßen, wenn Mie­ter_in­nen für ein Recht auf Stadt strei­ten, Flücht­lin­ge – wie die Grup­pe Lam­pe­du­sa in Ham­burg – für Blei­be­recht kämp­fen, wenn Tau­sen­de gegen Ge­fah­ren­ge­bie­te, Po­li­zei­staat und eine au­to­ri­tä­re Stadt­po­li­tik de­mons­trie­ren. Das reicht alles noch nicht aus, um den Ka­pi­ta­lis­mus aus den An­geln zu heben, aber es zeigt, dass das Be­ste­hen­de nicht un­hin­ter­fragt ist. Wenn wir die viel­fäl­ti­gen Kämp­fe ver­bin­den und in ein Ver­hält­nis zu­ein­an­der set­zen, wer­den ge­sell­schaft­li­che Al­ter­na­ti­ven sicht­bar.

Die Kri­sen­pro­tes­te sind eine Mög­lich­keit, die Kämp­fe zu ver­brei­tern und den Wi­der­stand gegen Na­tio­na­lis­mus, Staat und Ka­pi­tal zu­sam­men­zu­brin­gen. Denn wir wol­len nicht schwei­gen, wenn die deut­sche Re­gie­rung und deut­sche Un­ter­neh­men sich als Kri­sen­ge­win­ner auf­p­lus­tern und mit Stand­ort­na­tio­na­lis­mus rück­sichts­los ihre po­li­ti­schen und öko­no­mi­schen In­ter­es­sen in Eu­ro­pa durch­set­zen. Die Her­aus­for­de­rung der so­zia­len Be­we­gun­gen und ra­di­ka­len Lin­ken be­steht darin, den Wi­der­stand im All­tag zu ver­an­kern – im Stadt­teil, am Ar­beits­platz, in Schu­le und Uni. Das be­deu­tet aber auch, schon heute Mo­men­te zu schaf­fen, in denen Wi­der­stand sicht- und er­fahr­bar wird. Block­u­py ist der Ver­such einen sol­chen Kris­tal­li­sa­ti­ons­punkt zu set­zen und die Ohn­macht und trü­ge­ri­sche Ruhe in den Herr­schafts- und Macht­zen­tren des Ka­pi­ta­lis­mus zu durch­bre­chen: Am 16. Mai auf der an­ti­ka­pi­ta­lis­ti­schen Fahr­rad­tour und am 17. Mai auf der über­re­gio­na­len De­mons­tra­ti­on „Ha­fen­ci­ty en­tern – Elb­phil­har­mo­nie be­sich­ti­gen“!

Kein Frie­de mit Staat und Ka­pi­tal – Für eine so­li­da­ri­sche und klas­sen­lo­se Ge­sell­schaft!

[Auf­ruf als PDF]

16. Mai 2014 | 19 Uhr | Neuer Pfer­de­markt | Ham­burg