Zum Verhältnis von Antifa und Staat

Siamo tutti antifascisti

02.11.2013 19:00 - 22:00
Versammlungsraum Mehringhof, Gneisenaustr 2a

Im Rahmen der aktuellen Krise erstarken die Nazis in vielen Ländern Europas, darunter besonders in Griechenland. Hier kommt es zu Angriffen auf MigrantInnen, Geflüchtete und Linke. Selbst Morde sind keine Ausnahme mehr. Zuletzt wurde am 18. September der antifaschistische Rapper Pavlos Fyssas in Athen von Mitgliedern der Partei Chrysi Avgi (Goldene Morgenröte) und anderen Neonazis ermordet.

Dies löste eine Welle der Empörung und Repression gegen Chrysi Avgi aus, die im starken Gegensatz zur bisherigen Haltung von Staat, Medien und Gesellschaft steht. Hatten sie zuvor Morde und Übergriffe der Nazis ignoriert oder sogar unterstützt, wurden am 28. September alle führenden Köpfe von Chrysi Avgi unter der Anschuldigung, Mitglieder einer kriminellen Vereinigung zu sein, verhaftet. Selbst die Polizei, die entweder durch Unterstützung oder Abwesenheit während rassistischen Angriffen geglänzt hatte, soll von Neonazis "gesäubert" werden. Es kam bereits zu Durchsuchungen von Polizeistationen und Verhaftungen durch eine interne Ermittlungskommission.

Gleichzeitig machen die regierenden Konservativen die gesamte griechische Linke für die gesellschaftliche Eskalation mitverantwortlich. Das Argument ist auch hierzulande bekannt und heißt Extremismustheorie: Durch die Straßengewalt von rechts und die Streiks und militanten Demonstrationen von links würde der Staat zwischen den beiden Extremen zerrieben.

In Griechenland scheint linke Antifa-Politik bislang hauptsächlich aus der Not geboren. In den 90er Jahren entwickelte sich in Deutschland eine ähnliche Situation, aus der die radikale Linke zunehmend auch strategische Konsequenzen zog. Anfang des neuen Jahrtausends musste sie dann zusehen, wie Antifa-Politik vom deutschen Staat im Rahmen des sog. "Aufstands der Anständigen" vereinnahmt wurde – ohne dass dieser das Problem das Neonazismus erledigt hätte. Ist eine solche Vereinnahmung durch den sich plötzlich als antifaschistisch präsentierenden Staat in Griechenland ebenfalls ein relevantes Problem und welche Folgen ergeben sich daraus für linksradikale Antifa-Arbeit? Welche waren und sind die strategischen und inhaltlichen Diskussionen in beiden Ländern um die Potentiale und die Beschränktheit des "Konzept Antifa"?

Diese Fragen möchten wir mit einem Vertreter der Gruppe AK (Antiautoritäre Bewegung) aus Athen und der ALB (Antifaschistische Linke Berlin) diskutieren. Der griechische Genosse wird auf Englisch reden, wir bieten eine Flüsterübersetzung ins Deutsche an und diskutiert werden darf zweisprachig.

Eine Veranstaltung der Gruppe TOP

http://top-berlin.net/de/texte/beitraege/siamo-tutti-antifascisti