Veranstaltung im Rahmen des Hafenstraßen-Barrikadentage-Jubiläums

Häuser besetzen sowieso? Wohnungsnot, Zwangsräumungen und Widerstand in Spanien.

10.11.2012 20:00
Aula der Ganztagsschule St. Pauli, Bernhard-Nocht-Straße 12

Während in Hamburg Wohnungsnot und steigende Mieten immer krassere Ausmaße annehmen, spitzt sich in Spanien die soziale Misere immer weiter zu. In Andalusien beträgt die Arbeitslosigkeit mittlerweile 35% - was insbesondere vor dem Hintergrund verheerend ist, dass Arbeitslose in Spanien nur ein Jahr lang Anspruch auf staatliche Leistungen haben. Hunderttausende können die Mieten oder die Raten für die Hypothek ihrer Wohnung nicht mehr bezahlen und werden auf die Straße gesetzt.

Jeden Tag gibt es in Spanien derzeit im Schnitt 532 Zwangsräumungen – Menschen werden mit Polizeigewalt aus ihrem Zuhause geschmissen, während rund 6 Millionen Wohnungen im ganzen Land leerstehen.

Auf der anderen Seite erleben wir in Spanien, wie immer mehr Menschen nicht mehr bereit sind, sich mit dieser Situation abzufinden, und neue Formen der kollektiven Gegenwehr entwickeln. Seit 2010 konnten rund 500 Zwangsräumungen verhindert werden, weil sich Nachbar_innen und andere Unterstützer_innen gemeinsam der Polizei in den Weg stellten. Leerstehende Häuser werden von in die Obdachlosigkeit getriebenen Familien besetzt. So auch in Sevilla: Im Mai diesen Jahres besetzten 36 Familien, die in Folge von Zwangsräumungen auf die Straße gesetzt wurden, mit Unterstützung aus der „Indignado“-Bewegung einen seit drei Jahren leerstehenden Neubau. Das Haus, dem die Besetzer_innen den Namen „Corrala Utopía“ gaben, ist inzwischen zum Symbol geworden - einerseits für die Entschlossenheit der Betroffenen von Zwangsräumungen, die Wohnungsfrage selbst zu lösen, andererseits für die Schikanen, mit denen der Staat gegen diese Form der Selbsthilfe vorgeht. Den Besetzer_innen wurde von der Stadtregierung Sevillas der Strom abgestellt, vor einigen Wochen investierte der Bürgermeister 20 000 Euro, um den Bewohner_innen (darunter Kinder und alte Leute) das Wasser abzustellen. Die Bank, in deren Besitz sich das Gebäude seit einiger Zeit befindet, hat Anzeige erstattet, um gerichtlich einen Räumungstitel zu erwirken.

Die Bewohner_innen der Hafenstraßenhäuser mussten zu Zeiten der Besetzung über mehrere Jahre mit ganz ähnlichen Problemen kämpfen. Wir haben einige der Besetzer_innen der „Corrala Utopía“ eingeladen um anlässlich von 25 Jahren Barrikadentage in der Hafenstraße etwas über ihren Kampf erzählen.

Samstag, 10.11.2012, 20:00 Uhr in der Aula der Ganztagsschule St. Pauli, Bernhard-Nocht-Straße 12

Veranstalter_innen:

Barrikadenbauer und -bäuerinnen; Genossenschaft Alternativen am Elbufer; Plenum Hafenstraße, Avanti - Projekt undogmatische Linke