In der zweiten Juni-Woche findet ein bundesweiter Bildungsprotest statt. Darin rufen wir zu einem „Bildungspicknick“ auf dem Marktplatz auf. Wir wollen uns dort kritisch über das Lernen in Schule und Uni austauschen und zeigen, dass ein Lernen jenseits von Konkurrenz und Verwertungslogik möglich ist.
In Österreich sind seit mehreren Wochen Universitäten besetzt und auch einige deutsche Unis müssen sich derzeit mit BesetzerInnen herumschlagen. Doch weshalb treibt es gerade jetzt so viele Studierende in die Audimaxe?
Zwar gilt nicht erst seit der Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge durch den 1999 eingeleiteten Bologna-Prozess die Devise "Nützliches Wissen, das ist für die Nation verwertbares Wissen".
Cafeteria hanOMacke [Conti-Campus, Königsworther Platz 1], Hannover
Raus aus der Schule, dank Hochschulranking zielsicher rein in die Elite-Uni, unbezahlte Praktika, Jobben für Studiengebühren, Bachelorabschluss, Assessment-Center, Zeitvertrag mit Zielvereinbarung, Lifelong Learning – und nach ein paar Jahren Praxis der erste Nervenzusammenbruch!?!
Gute Bildung scheint heute die größtmögliche Steigerung der eigenen Verwertbarkeit in kürzester Zeit zu sein. Unis und Studis richten sich immer stärker auf die Bedürfnisse der Wirtschaft aus. Sich einfach Zeit zu geben für die Entfaltung der eigenen Interessen wirkt da absurd. Was aber kann Bildung jenseits kapitalistischer Selbstoptimierung sein, und wie lässt sich das durchsetzen? Uni und Studium – was war, was ist, wie soll es sein?
Wir vermessen bei unserer Veranstaltung den Raum für Bildung, die karrieretechnisch erstmal nichts nützt, deren Ziel vielmehr ist, ein Stück vernünftiger und glücklicher zu werden – selbstbewusster, widerspenstiger und schlechter verwertbar!
In den letzten beiden Tagen kam in Hamburg zu einer weiteren massiven Eskalation bei den stärker werdenden Studiprotesten. Bei einer friedlichen Blockade der Univerwaltung kam es am Dienstag (10.5.) zu willkürlichem Schlagstock- und Pfeffersprayeinsatz der Polizei. Die Unileitung rief aufgrund einer vermeintlichen Nötigung durch Sitzblockaden die Polizei, die sofort massiv einschritt und 54 Studierende festnahm. Angesichts der offensichtlichen Nötigung - durch die geplante Einführung von 500 Euro Studiengebühren - ist dies der blanke Hohn!