Schlecker-Proteste gehen weiter
Am 5. Februar wird in Bremen der zweite Schlecker XL-Markt in der Wätjenstraße/Ecke H.H. Meier Allee (Schwachhausen) eröffnet. Lassen wir diesen Tag mit möglichst vielen Menschen zu einem ganz besonderen Tag werden, an dem Schlecker gezeigt wird: Schlecker-Beschäftigte, KundInnen, GewerkschafterInnen und soziale Bewegungen lassen Schlecker nicht lautlos seine zynische Geschäftspolitik durchsetzen!
Wir kommen wieder, so lange Schlecker
* Beschäftigte schikaniert und wegrationalisiert
* Lohndumping betreibt, Tarifverträge und Gesetze bricht
* Die Gründung von Betriebsräten durch Kündigungen sabotiert und
bestehende Betriebsräte behindert .
Das haben wir mit unserem flashmob am 28. November in Gröpelingen gezeigt und bereits damals angekündigt, dass wir am Ball bleiben werden.
Kommt deshalb am 5. Februar um 16.00 Uhr zur Eröffnung des Schlecker XL-Marktes in der Wätjenstraße. Wir treffen uns im vorderen Teil des Ladens. Wer kann, sollte eine DIN A4-Karte in Pink mitbringen (gerne auch mit Slogan wie z.B. "Stoppt Schlecker XL-Terror).
Besucht außerdem Schlecker-Beschäftigte in den Filialen in eurer Nähe und ermutigt sie in ihrer alltäglichen Auseinandersetzung mit Schlecker.
Aufruf:
Die SPATZEN PFEIFEN ES VON DEN DÄCHERN:
Schlecker bereichert sich -- andere auch:
* auf Kosten der Angestellten -- durch Druck auf Löhne und
Arbeitsbedingungen
* durch Preisdiktate für die Hersteller -- was wiederum deren
Beschäftigte ausbaden müssen
* auf Kosten der Allgemeinheit -- sie soll für die Aufstockung der
Niedriglöhne aufkommen
Wie macht Schlecker das?
Den Umbau kleinerer Filialen zu XL-Märkten betreibt Schlecker nicht, um seine Marke schöner und attraktiver zu machen. Vielmehr sollen die in vielen Jahren mühsam erkämpften Errungenschaften für die Beschäftigten wie Tariflöhne (zwischen 10 und 14 Euro), feste Arbeitsverhältnisse und z.T. Betriebsratsstrukturen wieder ausgehebelt werden.
Zahlreiche Beschäftigte wurden im vergangenen Jahr entweder versetzt, entlassen oder genötigt, sich als Leiharbeiterinnen bei der Schlecker-eigenen Zeitarbeitsfirma "Meniar" zu Niedriglöhnen von 6,50 bis 7,00 Euro "neu" einstellen zu lassen. Insgesamt haben auf diese Weise über 4000 Frauen (alte und neue Beschäftige) ungleich schlechtere Arbeitsverträge erhalten, als sie bislang bei Schlecker üblich waren Hiergegen gibt es seit Monaten massive Proteste -- durch Beschäftigte und ver.di genauso wie durch lokale Mayday-, Krisen- oder KonsumentInnen-Bündnisse.
Gibt Schlecker dem Druck tatsächlich nach?
Schlecker hat auf diese Proteste mittlerweile reagiert -- allerdings nur auf der kosmetischen Ebene: Neueinstellungen bei Schlecker-XL-Märkten laufen jetzt über die "Schlecker XL GmbH": In diesen sind die Stunden-Löhne etwas höher, aber wie bei den "Meniar"-Verträgen gibt es weder Weihnachts- noch Urlaubsgeld, nur noch gesetzlichen Urlaub von 24 statt 28 Tagen und eine verlängerte Arbeitszeit von 40 statt 37,5 Stunden.
Für alle Leiharbeiterinnen und XL-GmbH-Beschäftigten gilt zudem: Egal wie lange sie vorher bei Schlecker beschäftigt waren, jetzt werden sie als "Anfängerinnen" mit 6-monatiger Probezeit betrachtet, in der jederzeit ohne Begründung gekündigt werden kann. Wer Schlecker kennt, weiß, was das heißt: Ältere, unliebsame oder kranke Kolleginnen kann die Firma ohne Probleme loswerden.
Rechtlich sind sowohl die "Meniar" als auch die XL-GmbH 100-prozentige Töchter von Schlecker -- die bisherigen Löhne müssten also weiterhin Gültigkeit haben. Aber die Firmenleitung setzt darauf, dass nur ein Bruchteil der Frauen den langen Weg einer Klage vor dem Arbeitsgericht auf sich nimmt.
Schlecker saniert sich auf Kosten der Allgemeinheit
Durch die XL-Strategie geraten auch in den alten Filialen die Löhne der fest angestellten Vollzeitkräfte zunehmend unter Druck. Denn Schlecker führt auch dort neue Arbeitsverträge ein, in denen nicht mehr von Tariflohn die Rede ist. Konkret werden durch die gezielte Einrichtung von Mini-Jobs, Leiharbeit, Teilzeit-Arbeit (auf Abruf) etc. existenzsichernde Beschäftigungsverhältnisse untergraben. Eine Entwicklung im Übrigen, die im gesamten Einzelhandel immer stärker um sich greift.
Auf entsprechende Kritik reagiert Schlecker nur noch zynisch: Die Beschäftigten sollen doch das fehlende Geld bei der örtlichen Arge/BAgIS beantragen -- Stichwort "Kombilohn". Zentraler Haken: Wer in einer Beziehung lebt, wird nur dann staatliche Unterstützung erhalten, wenn auch der Partner einen Niedriglohn bezieht. Alle anderen werden in finanzielle Abhängigkeit von ihren (meist männlichen) Partnern gedrängt, und das, obwohl sie arbeiten.
Aber auch ansonsten ist die Schleckersche Empfehlung eine absolute Dreistigkeit: Einerseits weil es keinen Grund für staatliche Subventionen von Riesenkonzernen wie Schlecker gibt, andererseits weil hierdurch noch mehr Geld in den öffentlichen Haushalten für alltägliche und erschwingliche Dienstleisungen fehlt -- ob für Nahverkehr, Hallenbäder, Sporteinrichtungen, Kitas, Schulen oder Unis.
Heute -- Anfang 2010 -- protestieren Politik und Teile der Medien plötzlich lautstark gegen die Ergebnisse einer Politik, die sie seit 2002 selber auf den Weg gebracht haben: die AGENDA 2010 und somit die Hartz-Gesetze I bis IV, welche von Anfang an auf Ausweitung von Leiharbeit und Niedriglohn, Entrechtung von Erwerbstätigen und Erwerbslosen zielten. Sie prangern angeblich "ungewollte" Auswüchse wie bei Schlecker an, um verlorene Zustimmung aus der Bevölkerung zurück zu gewinnen. Vor allem aber soll schon mal vorgebaut werden -- immerhin stehen die Veränderungen des Gesundheitssystems und die für 2011 bereits angekündigten Einschnitte bei den öffentlichen Ausgaben noch bevor.
Aktuelle Skandalkündigung in Bremen:
Im Oktober 2009 wurden drei Schlecker-Beschäftigte (mit Abfindung) entlassen, nachdem Konzernchef Anton Schlecker bei einem seiner berühmt-berüchtigten Filialbesuche angebliche "Verfehlungen" entdeckt hatte. Pikant an der Geschichte ist allerdings, dass ausgerechnet die Entlassenen einige Tage zuvor auf einer internen (!) ver.di-Veranstaltung für Schlecker-Beschäftigte ihre Bereitschaft signalisiert hatten, bei der Wahl eines neuen (noch nicht bestehenden) Betriebsrats als Wahlvorstand aktiv zu werden. Es spricht also vieles dafür, dass die Beschäftigten für die Wahrnehmung ihrer ganz normalen Rechte stellvertretend abgestraft wurden.
Es geht auch um Aldi, Plus, Lidl, kik ...!
Im gesamten Einzelhandel liefern sich die Unternehmen eine Konkurrenzschlacht auf Kosten der Beschäftigten -- sei es in den hiesigen Märkten oder bei den Zulieferern in aller Welt. Das bedeutet immer schlechtere Arbeitsbedingungen, Bespitzelung, Willkür, Mobbing und ungerechtfertigte Abmahnungen und Kündigungen. Tarifverträge und Schutzrechte werden unterlaufen -- auch viele namhafte Unternehmen wie etwa C & A, Peek & Cloppenburg, Woolworth, Hornbach, Ikea, KiK, Netto, Norma, Rossmann und Tchibo halten sich nicht mehr an die Flächentarifverträge (Stand 2008). Und das, obwohl das Tarifeinkommen im Einzelhandel ohnehin schon 20 % unter dem Durchschnittseinkommen liegt. Die Belegschaften bestehen immer weniger aus Vollzeitbeschäftigten. Zunehmend werden Teilzeitangestellte, LeiharbeiterInnen und MinijoberInnen eingestellt, die für weniger Gehalt, ohne Urlaubsgeldanspruch und ohne Lohnfortzahlung im Krankheitsfall die Regale befüllen und die Kassen abfertigen. Nur noch 50 Prozent aller Beschäftigten im Einzelhandel arbeiten in Vollzeit, entsprechend verdient fast ein Drittel weniger als 7,50 EUR pro Stunde, zwölf Prozent sogar weniger als 5 EUR. Gleichzeitig sind die Gewinne im gesamten Einzelhandel zwischen 2000 und 2006 um 64,3 Prozent gestiegen (trotz Pleiten wie jüngst bei Karstadt bzw. Quelle).
www.mayday-bremen.de und http://www.kapitalismuskrise.org/bremen/
