Comme Toujours: Im Februar nach Dresden fahren

Aller guten Dinge sind drei! Nazis blockieren, sächsische Verhältnisse kippen, Opfermythen zurückdrängen

Auch im dritten Jahr wollen wir den Naziaufmarsch in Dresden blockieren. Keine Symbolpolitik, kein Händchen halten, sondern gemeinsam auf die Straße gehen um Europas ehemals größten Naziaufmarsch erneut zu stoppen bis er Geschichte ist. Kippen wir dabei zusammen die "sächsischen Verhältnisse" und drängen wir den Dresdener  Opfermythos weiter zurück.

Ein Neuer Aufruf, ein neues Plakat, eine neue Website kommen dabei vom Bündnis Dresden Nazifrei“ als einem breiten Bündnis mit dem wir dazu
aufrufen, gemeinsam den Naziaufmarsch zu blockieren.

Letztes Jahr wurde „die Dynamik des Großaufmarsches in Dresden
gebrochen“ (Avanti Auswertung Mai 2011). Machen wir den größten
Naziaufmarsch immer kleiner um ihn endgültig zu beerdigen: Aller
guten Dinge sind drei!

Vor wenigen Tagen wurde ein bundesweiter Antifa-Aufruf unter dem
Titel "Jetzt erst Recht! Naziaufmarsch blockieren! Opfermythen bekämpfen! Sächsische Verhältnisse kippen!" veröffentlicht, der ab sofort unterstützt werden kann.

Die Mobilisierung gegen den Naziaufmarsch steht dieses Jahr unter
einem besonderen Stern: den (frei nach Karl Marx) „sächsischen
Verhältnissen“. Auf die erfolgreichen Blockaden antwortet der so
herausgeforderte, im Grunde seit 1989 herrschende, konservative
Block in Sachsen mit einer Welle von Repression und Überwachung:
Hausdurchsuchungen sowohl am 19. Februar selber gegen das Bündnis als
auch später gegen AntifaschistInnen, Einrichtung einer Sonderkommission,
Ermittlungen nach §129, Verfahren gegen Blockierer,
Funkzellenüberwachung, IMSI-Catcher, Immunitätsaufhebungen – der
sächsische Staat versuchte und versucht sich am großen Rundumschlag
gegen die politische Linke. Kein Zufall wie wir meinen. Wie die Faust aufs
Auge passt da, das andererseits in Sachsen, dem Land mit einer der
infrastrutkurell und politisch stärksten Naziszenen Deutschlands, jahrlang
Rechtsterroristen untertauchen konnten, unbehelligt blieben und vom
Verfassungsschutz gedeckt wurden, während die politische Linke in Sachsen
zum „Hauptfeind“ auserkoren wurde.

Die Verhinderung des Naziaufmarsches in Dresden ist deswegen auch eine
Stellverrtreterauseinandersetzung um die Spielräume der politischen Linken
und hat Vorbildcharakter für das staatliche Vorgehen gegen erfolgreiche
linke Politik. Deswegen geht es bei der Mobilisierung gegen den
Naziaufmarsch in Dresden dieses Jahr nicht ausschließlich um die
Verhinderung eines Naziaufmarsches, sondern um eine Kraftprobe mit einer
Form autoritärer Staatlichkeit, die wir gewinnen müssen.

Es bewegt sich etwas in Dresden. Zum Zweck der praktischen Kritik des
und zur öffentlichen Intervention gegen die Dominanz eines
Geschichtsbildes sowie einer Gedenkpolitik, die die DresdenerInnen immer
noch und in neuen Formen als eigentliche „Opfer“ des Zweiten Weltkriegs
imaginiert, haben wir letztes Jahr am 13. Februar einen Rundgang „Täterspuren“ mitorganisiert. Dieser wurde kurzfristig verboten.
Auch dies bezeichnend für die Verhältnisse in Dresden.
Doch langsam bewegt sich auch Dresden. Nicht nur überlagert die
Auseinandersetzung mit Nazis in den letzten Jahren immer mehr das
Gedenken in Dresden, dieses Jahr soll auch zum ersten Mal keine
Kranzniederlegung am Heidefriedhof stattfinden.
Um diese Entwicklung voranzutreiben soll der Rundgang „Täterspuren“ diese Jahr in überarbeiteter Weise durchgeführt werden, um
weiterhin einen störenden Kontrapunkt zur Inszenierung von und die
Fixierung auf „deutsche Opfer“ im Zuge der Bombardierung zu setzen und
öffentlich wahrnehmbar zu machen (siehe Avanti-Position zu Gedenkpolitik in Dresden, Avanti-Aufruf 2010).

Blockieren bis der Naziaufmarsch Geschichte ist. Sächsische Verhältnisse kippen. Mit Opfermythen schlussmachen. 

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05.12.2011 16:56 Dresden
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